Geprüfter Betriebswirt: Voraussetzungen für die Zulassung
Zum Geprüften Betriebswirt wird zugelassen, wer einen Fachwirt, einen Fachkaufmann oder einen vergleichbaren kaufmännischen Fortbildungsabschluss bestanden hat. Das ist der Regelweg, Praxis danach ist nicht verlangt. Daneben gibt es drei weitere Wege: den Kaufmännischen Fachwirt nach der Handwerksordnung, eine kaufmännische Fachschule mit einem Jahr Praxis und ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit einem Jahr Praxis. Die Entscheidung trifft die IHK.
Der Betriebswirt ist die dritte Stufe der beruflichen Fortbildung. Die Verordnung von 2020 setzt deshalb in aller Regel einen Abschluss der zweiten Stufe voraus und lässt nur wenige Ausnahmen zu.
Was verlangt die Verordnung?
§ 3 der Verordnung über die Prüfung zum Geprüften Betriebswirt nach dem Berufsbildungsgesetz nennt vier Wege. Die Übersicht:
| Weg | Vorbildung | Berufspraxis nach dem Abschluss |
|---|---|---|
| 1 | Fachwirt, Fachkaufmann oder vergleichbarer kaufmännischer Fortbildungsabschluss nach dem BBiG | keine zusätzliche |
| 2 | Geprüfter Kaufmännischer Fachwirt nach der Handwerksordnung, auch mit dem Zusatz Bachelor Professional | keine zusätzliche |
| 3 | staatliche oder staatlich anerkannte Prüfung an einer kaufmännischen Fachschule | mindestens 1 Jahr |
| 4 | wirtschaftswissenschaftlicher Bachelor, Master oder Diplom einer Hochschule | mindestens 1 Jahr |
Den Wortlaut findest du in § 3 der Verordnung. Wer keinen der Wege erfüllt, kann nach Abs. 3 vergleichbare berufliche Handlungsfähigkeit glaubhaft machen.
Fachwirt und Fachkaufmann: der Regelweg
Ein naheliegender Weg zum Betriebswirt führt über einen Fachwirt, etwa über den Wirtschaftsfachwirt, den Handelsfachwirt, den Industriefachwirt oder einen Fachkaufmann für Einkauf und Logistik. Entscheidend ist, dass der Abschluss vor einer zuständigen Stelle nach dem Berufsbildungsgesetz bestanden wurde. Eine bestimmte Note oder eine Frist seit dem Fachwirt verlangt die Verordnung nicht.
Bei Abschlüssen, die weder Fachwirt noch Fachkaufmann heißen, kommt es darauf an, ob sie ein vergleichbarer kaufmännischer Fortbildungsabschluss sind. Das beurteilt die IHK. Einzelheiten stehen in Betriebswirt nach dem Fachwirt.
Fachschule und Studium: ein Jahr Praxis danach
Wer eine kaufmännische Fachschule abgeschlossen hat, etwa als Staatlich geprüfter Betriebswirt, oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, braucht danach mindestens ein Jahr Berufspraxis. Das Jahr muss nach dem Abschluss liegen, Praxis aus der Zeit davor zählt hier nicht. Mehr zu den Akademikern steht in Betriebswirt nach dem Studium.
Wer mit einem Fachschulabschluss überlegt, ob sich ein zweiter Betriebswirt überhaupt lohnt, findet die Unterschiede in Welcher Betriebswirt ist der richtige?.
Was heißt „wesentliche Bezüge“?
Für Weg 3 und 4 muss die Praxis inhaltlich wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Betriebswirts haben (§ 3 Abs. 2). Gemeint sind die Aufgaben aus § 2 Abs. 3: Strategien entwickeln, Leistungsprozesse gestalten, die Organisation weiterentwickeln, Prozesse steuern und überwachen.
Das heißt nicht, dass du schon Geschäftsführer sein musst. Gute Belege sind Tätigkeiten mit Planungs-, Budget- oder Projektverantwortung, etwa im Controlling, in der Unternehmensentwicklung, in einer Teamleitung oder im Projektmanagement. Eine reine Sachbearbeitung ohne jeden Gestaltungsspielraum wird die Kammer genauer ansehen.
Wann hilft die Glaubhaftmachung?
§ 3 Abs. 3 erlaubt die Zulassung auch dann, wenn du durch Zeugnisse oder auf andere Weise glaubhaft machst, dass deine Fähigkeiten denen der regulär Zugelassenen vergleichbar sind. Das hilft etwa Führungskräften ohne formalen Fachwirt, die seit Jahren kaufmännische Verantwortung tragen, oder Menschen mit ausländischen Abschlüssen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Eine Garantie gibt es nicht. Die Kammer prüft im Einzelfall.
Drei Lebensläufe, drei Wege
Ein Industriefachwirt, der seine Prüfung vor sechs Jahren bestanden hat und heute ein Team in der Arbeitsvorbereitung führt, ist über Weg 1 zugelassen. Weder das Alter des Abschlusses noch die heutige Stelle spielen eine Rolle.
Eine Bachelor-Absolventin in Betriebswirtschaft arbeitet seit acht Monaten im Controlling. Sie erfüllt Weg 4, sobald das erste Berufsjahr nach dem Abschluss voll ist. Mit Aufstiegs-BAföG kann sie schon vorher starten, wenn sie das Jahr bis zum letzten Unterrichtstag erreichen kann und das nachweist.
Ein Staatlich geprüfter Betriebswirt von der Fachschule leitet seit drei Jahren den Einkauf eines Mittelständlers. Er nutzt Weg 3, seine Praxis hat klare Bezüge zu den Aufgaben aus der Verordnung.
Zulassung und Aufstiegs-BAföG zusammen denken
Das Aufstiegs-BAföG verlangt, dass die Vorqualifikation für die Prüfungszulassung vor Beginn des Lehrgangs vorliegt (§ 9 Abs. 1 AFBG). Fehlt nur die zusätzlich verlangte Praxis nach Fachschule oder Studium, reicht es, wenn du sie bis zum letzten Unterrichtstag erwerben kannst und das nachweist (§ 9 Abs. 3). Mit einem Master oder einem höheren Hochschulabschluss gibt es kein Aufstiegs-BAföG (§ 9 Abs. 4).
Manche Kammern verlangen mit der Zulassung außerdem einen Nachweis über den Lernumfang, weil die Verordnung in der Regel von mindestens 1.600 Stunden ausgeht. Die IHK Hannover führt dafür eine eigene Anlage zur Zulassung. Frag bei deiner Kammer nach, welche Unterlagen sie sehen will.
Unsere Erfahrung aus der Beratung
Aus unserer Sicht ist die Zulassung beim Betriebswirt meist die kleinere Hürde. Wer einen Fachwirt hat, ist zugelassen. Die eigentliche Frage ist, ob der Zeitpunkt passt: Der Betriebswirt verlangt über einen längeren Zeitraum Energie neben dem Job, und die Projektarbeit fällt in einen Block von 30 Tagen. Wir sprechen deshalb mit Interessenten zuerst über ihren Alltag und erst danach über Papiere. Den Aufbau der Prüfung zeigt Aufbau der Betriebswirt-Prüfung, die Förderung nach einem schon geförderten Fachwirt Aufstiegs-BAföG ein zweites Mal, und den Überblick gibt der Ratgeber zum Geprüften Betriebswirt.
Häufige Fragen
Brauche ich nach dem Fachwirt noch Berufspraxis für den Betriebswirt? +
Nein. Wer eine Prüfung als Fachwirt, Fachkaufmann oder einen vergleichbaren kaufmännischen Fortbildungsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz bestanden hat, wird ohne weitere Praxiszeit zugelassen (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 der Verordnung).
Reicht ein Bachelor in BWL für die Zulassung? +
Ja, zusammen mit mindestens einem Jahr Berufspraxis nach dem Abschluss. Die Praxis muss wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Betriebswirts haben (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 und Abs. 2).
Wer entscheidet über die Zulassung? +
Die IHK, bei der du dich zur Prüfung anmeldest. Manche Kammern prüfen die Zulassung vor der Anmeldung, die IHK Hannover etwa setzt dafür eine eigene Frist.
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