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Betriebswirt berufsbegleitend

1.600 Stunden Lernumfang: was der Betriebswirt neben dem Job kostet

· 5 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Titelgrafik zum Artikel über den Lernumfang beim Geprüften Betriebswirt

Für den Geprüften Betriebswirt geht die Verordnung in der Regel von mindestens 1.600 Stunden Lernumfang aus. Gemeint sind Unterricht und eigenes Lernen zusammen. Über zwei Jahre verteilt sind das rechnerisch rund 15 Stunden pro Woche, über drei Jahre rund 10. Neben einem Vollzeitjob ist das machbar, wenn du feste Lernzeiten einplanst und die Prüfungsphasen vorher kennst.

Die Zahl schreckt viele ab. Sie wird greifbarer, wenn man sie auf Wochen herunterbricht und sieht, welcher Teil im Unterricht stattfindet und welcher zu Hause.

Woher kommen die 1.600 Stunden?

§ 2 Abs. 4 der Betriebswirt-Verordnung sagt, dass es für die geprüften Kompetenzen in der Regel eines Lernumfangs von insgesamt mindestens 1.600 Stunden bedarf. Das Berufsbildungsgesetz nennt denselben Wert für alle Abschlüsse der dritten Fortbildungsstufe (§ 53d BBiG). Zum Vergleich: Für die zweite Stufe, etwa einen Bachelor Professional, sind es mindestens 1.200 Stunden.

Wie sich der Lernumfang aufteilt, legt die Verordnung nicht fest. Eine DIHK-Übersicht von 2018, noch zur Vorgängerverordnung, nannte als Durchschnitt 800 Stunden Lehrveranstaltungen plus 800 Stunden Selbststudium.

Was heißt das pro Woche?

Die folgende Tabelle ist eine reine Rechnung, keine Angabe zu einem bestimmten Lehrgang. Sie verteilt 1.600 Stunden gleichmäßig, einmal über alle Kalenderwochen und einmal mit sechs freien Wochen pro Jahr:

ZeitraumStunden pro Woche ohne Pausemit 6 freien Wochen pro Jahr
18 Monaterund 20,4rund 23,1
24 Monaterund 15,3rund 17,3
30 Monaterund 12,3rund 13,9
36 Monaterund 10,2rund 11,5

In der Praxis ist die Last nicht gleichmäßig. In normalen Wochen bist du unter dem Durchschnitt, vor der schriftlichen Prüfung und während der Projektarbeit deutlich darüber.

Drei Spitzen im Kalender

Über die Gesamtdauer verteilt sich der Aufwand auf drei Phasen, in denen du deutlich mehr Zeit brauchst als sonst:

  1. Die Wochen vor der schriftlichen Prüfung. Drei Aufgabenstellungen mit je 240 Minuten bedeuten zwölf Stunden Prüfungszeit. Wer das nie am Stück geübt hat, unterschätzt die Anstrengung. Plane mehrere vollständige Übungsklausuren unter Zeitdruck ein.
  2. Die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Bis zu 45 Minuten über alle Handlungsbereiche verlangen, dass du frei argumentierst. Dafür brauchst du Übungsgespräche, am besten mit anderen Teilnehmern.
  3. Die 30 Kalendertage der Projektarbeit mit anschließender Präsentation und Fachgespräch. Hier entsteht in kurzer Zeit eine vollständige Entscheidungsvorlage.

Wer diese drei Phasen kennt, kann Urlaub, Familienzeit und berufliche Spitzen darum herum legen. Den Ablauf der Prüfung zeigt Aufbau der Betriebswirt-Prüfung.

Unterricht und Selbststudium

Im Unterricht lernst du neue Inhalte, besprichst Fälle und stellst Fragen. Zu Hause wiederholst du, löst Übungsaufgaben und bereitest den nächsten Termin vor. Beides gehört zusammen. Wer nur den Unterricht besucht, hat den Stoff gehört, aber nicht geübt. Als grobe Faustregel kannst du für jede Stunde Unterricht eine Stunde eigene Arbeit ansetzen, das entspricht dem Verhältnis aus der DIHK-Übersicht.

Bei SkillSprinters läuft der Unterricht live online mit Dozent und Gruppe, berufsbegleitend unter der Woche. Vollzeitunterricht und Samstagstermine gibt es nicht. Den genauen Rhythmus besprechen wir im Beratungsgespräch.

Wie schaffe ich das neben dem Job?

Fünf Regeln, die in der Praxis tragen:

  1. Feste Lernzeiten in den Kalender eintragen, wie Termine mit Kunden.
  2. Kurze Einheiten unter der Woche, ein längerer Block am Wochenende für Übungsaufgaben.
  3. Englisch von Anfang an mitlaufen lassen, statt es am Ende nachzuholen.
  4. Für die schriftliche Prüfung und die 30 Tage Projektarbeit Urlaub einplanen.
  5. Familie und Arbeitgeber früh einbeziehen, damit niemand überrascht wird.

Für die Projektarbeit gibt es eigene Tipps in Projektarbeit neben dem Job, für den englischen Teil in Englisch in der Betriebswirt-Prüfung.

Vorgaben des Aufstiegs-BAföG

Für die Förderung muss ein berufsbegleitender Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden haben, innerhalb von 48 Kalendermonaten liegen und im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden im Monat bieten (§ 2 Abs. 3 AFBG). Du musst an mindestens 70 Prozent der Unterrichtsstunden teilnehmen, der Anbieter bescheinigt das nach sechs Monaten und am Ende. Wer im Schichtdienst arbeitet oder viel reist, sollte vorher durchrechnen, wie oft er fehlen würde. Wie die Förderung rechnet, zeigt Aufstiegs-BAföG ein zweites Mal.

Nachweis bei der IHK

Manche Kammern verlangen mit dem Zulassungsantrag einen Nachweis über den Lernumfang. Die IHK Hannover führt dafür eine eigene Anlage nach § 53d BBiG. Frag bei deiner Kammer nach, was sie sehen will, und heb Teilnahmebescheinigungen und Lehrgangsunterlagen auf.

Was wir aus Gesprächen mitnehmen

Aus unserer Sicht entscheidet nicht die Gesamtzahl, ob jemand durchkommt, sondern die Woche, in der etwas dazwischenkommt. Ein krankes Kind, ein Projekt mit Überstunden, ein Umzug. Wer einen Puffer von zwei, drei Wochen im Plan hat und weiß, wie er verpasste Inhalte nachholt, bleibt dran. Wer jede Woche auf Kante plant, steigt nach dem ersten Ausfall oft aus. Plane deshalb von Anfang an Luft ein.

Wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg ist, beschreibt Betriebswirt nach dem Fachwirt, den Gesamtüberblick gibt der Ratgeber zum Geprüften Betriebswirt.

Häufige Fragen

Sind 1.600 Stunden reine Unterrichtszeit? +

Nein. Gemeint ist der gesamte Lernumfang. Eine DIHK-Übersicht von 2018, noch zur Vorgängerverordnung, rechnete für dieses Niveau mit durchschnittlich 800 Stunden Lehrveranstaltungen plus 800 Stunden Selbststudium.

Muss ich den Lernumfang nachweisen? +

Manche Kammern verlangen es. Die IHK Hannover etwa führt eine eigene Anlage zur Zulassung mit dem Nachweis über den erbrachten Lernumfang nach § 53d BBiG.

Wie viele Stunden pro Woche sind das? +

Das hängt von der Dauer ab. Rein rechnerisch ergeben 1.600 Stunden über zwei Jahre rund 15 Stunden pro Woche, über drei Jahre rund 10 Stunden, Unterricht und eigenes Lernen zusammen.

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